Im Test: Thinkware F770 Dashcam, die neue Highend-Dashcam?

Wenn man die beste Dashcam haben möchte, führt normalerweise kein Weg an Blackvue vorbei. Doch nun gibt einen neuen, starken Konkurrent aus Korea. Die Dashcams von Thinkware sind ebenfalls üppig ausgestattet. Die Thinkware F770 sieht den Blackvue-Modellen sogar ziemlich ähnlich. Aber ist sie auch wirklich besser?

Vielen Leuten ist die Bildqualität einer Dashcam enorm wichtig. Dies entnehme ich zahlreichen Kommentaren, die sich in den letzten drei Jahren angesammelt haben. An zweiter Stelle folgt der Schutz vor Vandalismus. Sprich – die Möglichkeit das Auto beim Parken zu überwachen. Beide Attribute bietet eigentlich nur Blackvue. Kein anderes System ist so zuverlässig. Nun wird Blackvue ständig über den grünen Klee gelobt. Mit Thinkware gibt es nun ernstzunehmende Konkurrenz! Die Ausstattung ist schon mal üppig:

  • Auflösung: bis zu 1920×1080 (30fps)
  • 140° Weitwinkel
  • Bildsensor: 2,19M Sony Exmor CMOS Sensor
  • GPS (integriert)
  • integriertes Wifi mit WPS
  • Mikrofon & Lautsprecher
  • Beschleunigungssensor
  • Blitzerwarner
  • Micro-USB
  • Spurhalteassistent, Abstandsassistent
  • optionale Heck- und/oder Interieurkamera

Die F770 gibt es in verschiedenen Paketen. Standardmäßig wird lediglich die Basisdashcam angeboten. Aber teilweise auch mit Heckkamera. Für Fahrdienste bietet sich aber auch der Erwerb der Interieurkamera mit Infrarot-LEDs an. Man muss sich aber zwischen beiden zusätzlichen Kameras entscheiden. Es lässt sich nur die Heck- ODER Interieurkamera anschließen.

Lieferumfang

  • Dashcam mit Klebehalterung
  • 3m KFZ-Stromkabel
  • Dt. Kurzanleitung
  • Kabelführung
  • USB-Kartenleser

Der Lieferumfang kann auch je nach Händler stark variieren! Vor dem Kauf genau prüfen was man benötigt und was dabei ist. In der Regel ist mind. eine 16 GB Speicherkarte dabei.

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Achtung! Der Lieferumfang zeigt diverses Zubehör, das nicht in jedem Verkaufsangebot inklusive ist. Achten Sie genau auf das Angebot vom Händler.

Installation Thinkware F770 Dashcam

Das beiliegende Stromkabel ist optisch identisch mit dem von Blackvue. Leider konnte ich das bei mir bereits verlegte Blackvue-Ladekabel aber nicht verwenden. Die Dashcam schaltet damit einfach nicht ein. So muss man also zwingend das Ladekabel der Thinkware Dashcam nutzen. Dies wird also in den Zigarettenanzünder gestöpselt. Oder alternativ mit dem Bordnetzkabel von Thinkware. Zum Beispiel über den Sicherungskasten oder der Autobatterie. Dies gewährleistet dann auch eine zuverlässige Überwachung während das Auto parkt. Die Dashcam wird mit einer ziemlich großen Halteplatte direkt an der Frontscheibe geklebt und hält dort auch bombenfest. Das einfummeln des Stromkabels und der Heckkamera erfordert etwas Geduld. Für die zweite Kamera kommt ein gewöhnliches Micro-USB-Kabel zum Einsatz, sodass man dieses je nach Fahrzeug einfach in der gewünschten Länge austauschen kann. Das finde ich gut! Normalerweise gibt es hier herstellerspezifische Kabel, die den Austausch erheblich erschweren (z. B. bei Blackvue). Ist nun alles installiert und verlegt wird die Zündung gestartet. Etwas befremdlich ist die Einschaltprozedur der Dashcam. Erst nach ca. 15 Sekunden schaltet sie ein und leuchtet die LED. Man hat bis dahin das Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt. Ein sofortiges Blinken oder ein Piepton wären hier nutzerfreundlicher. Allgemein habe ich den Eindruck, dass die Firmware an diversen Stellen noch reifen muss. Aber ich bin mir sicher dass diese Kinderkrankheiten zügig durch Updates gefixt werden.

Dafür weiß die Dashcam durch eine weibliche, deutsche Sprachausgabe zu beeindrucken. Die Ansagen sind sehr klar, laut und freundlich und absolut akzentfrei. Dies passt dann auch zur sehr umfangreichen und deutschen Bedienungsanleitung, die es jedoch nur in PDF-Form gibt. Das kleine, beiliegende mehrsprachige Handbuch dient nur für den schnellen Einstieg und ist keine große Hilfe.

Bedienung Thinkware 770 Dashcam

Ist die Dashcam also erstmal eingeschaltet und hochgefahren informiert die Sprachausgabe über jeden Status. Da die GPS-Verbindung etwas Zeit benötigt, wird man dann auch über die erfolgreiche Verbindung informiert. Die Lautstärke lässt sich in der App konfigurieren bzw. deaktivieren. Die Dashcam verfügt über fünf Tasten. Die ganz rechte Einschalttaste benötigt man eigentlich gar nicht. Daneben findet sich die „FORMAT“-Taste, die man normalerweise auch nicht benötigt. Durch dreisekündiges Drücken wird die Speicherkarte formatiert. In der Mitte befindet sich die Wifi-Taste die man in der Regel oft benutzt. Denn drückt man sie, schaltet das Wifi ein. Doch nach fünf Minuten schaltet das Wifi auch wieder automatisch ab. Will man sich also via App mit dem Smartphone verbinden, muss man diese Taste ziemlich oft betätigen. Ich finde es etwas unglücklich dass die Tasten alle gleich aussehen und sich gleich anfühlen. Man muss sich die Position der Tasten also genau einprägen um sich nicht zu verdrücken. Im Auto ist es einfach zu dunkel und die Tasten zu klein um sie mit bloßem Auge zu unterscheiden. Links von der Wifi-Taste befindet sich die Mikrotaste, mit der man die Tonaufzeichnung (de)aktivieren kann. Und zu guter letzt gibt es eine etwas größere „REC“-Taste, mit der man die Notfallaufnahme auslösen kann. Das heißt, die Dashcam nimmt ja sowieso ständig auf. Doch durch das Betätigen dieser Taste wird eine neue Datei erstellt, die ein Video 10 Sekunden vor und 50 Sekunden nach dem Tastendruck abspeichert. Wenn also etwas aufregendes passiert ist, das der Ereignissensor nicht erfasst hat und man sicher gehen will, dass dieser Moment nicht verloren geht, so sollte man diese Taste betätigen. Also höchsten zehn Sekunden nachdem das Ereignis aufgetreten ist. Dies könnte also auch gerade für den deutschen Markt hochinteressant sein. Denn seit Ewigkeiten ist man sich uneinig darüber ob und in wie fern Dashcamaufnahmen zulässig sind. Klar ist, dass anlassbezogene Aufnahmen legal sind. Also theoretisch müsste man die kontinuierlichen Aufnahmen deaktivieren und sobald etwas passiert, die „REC“-Taste drücken. Dann hätte man anlassbezogen eine Aufnahme vom Anlass gespeichert und wäre rechtlich gesehen auf der sicheren Seite!

Fünf nützliche Tasten am Gerät

Fünf nützliche Tasten am Gerät: Manuelle Aufnahme/Speicherung, Mikrofon (de)aktivieren, Wifi (de)aktivieren, Speicherkarte formatieren, Ein/Ausschalten

ordnerstrukturMeinem Testexemplar liegt eine 16 GB Speicherkarte bei. Ein aufgenommenes Video von der Frontkamera und der Heckkamera ist jeweils eine Minute lang und 80 Megabyte groß. Beide Kameras legen also jeweils eine separate MP4-Datei ab! Namentlich sind diese durch den Suffix „_F“ für Front und „_R“ für Rear zu unterscheiden. Die 16 GB Karte speichert also in etwa 100 Minuten Videomaterial ab bei Verwendung von zwei Kameras. Das ist nicht besonders viel. Hier sollte man also auf jeden Fall zu 64 GB aufrüsten um auf ca. 400 Minuten zu kommen was dann in etwa sechs Stunden Aufnahmezeit entspricht. SanDisk hat mir hier eine Highend-MicroSDXC Karte zur Verfügung gestellt, die gute und zuverlässige Dienste verrichtet und besonders für FullHD-Aufnahmen geeignet ist. Das Auslesen der Speicherkarte geschieht damit extrem schnell. Was mir richtig gut gefällt: Selten habe ich eine solch aufgeräumte Speicherkarte vorgefunden. Für jede Aufnahmeart gibt es einen eigenen Ordner und die Dateien sind eindeutig bezeichnet: REC_2016_12_17_16_27_52_F.MP4. Dies ist also eine vordere Aufnahme vom 17.12.2016, 16:27 Uhr.

Zuverlässiger Blitzerwarner

Wie einige andere Dashcams bietet auch die Thinkware eine umfangreiche Blitzerwarnfunktion an. Vorweg: Eine solche Funktion ist in Deutschland nicht erlaubt. Die Verwendung erfolgt auf eigene Gefahr. Ich finde die Funktion sogar etwas nervig. Wenn man in Großstädten wie Berlin unterwegs ist, dann wird man ständig drauf hingewiesen, dass die gerade befahrene Straße gerne für mobile Blitzer genutzt wird. „Mobiler Radarmessbereich“ heißt es dann fünf Mal auf der langen Frankfurter Allee obwohl es gar keinen Blitzer gibt. Es ist also eine rein präventive Information. Hier muss der Hersteller unbedingt nachbessern, damit man diese Information zumindest teilweise deaktivieren kann. Ansonsten klappt die Funktion bei stationären Blitzern hervorragend. „In 200 Metern befindet sich ein stationärer Blitzer. Die Maximalgeschwindigkeit beträgt 50 Km/h“ sagt mir die Frau in anstandslosem Deutsch. Kaum ist der Blitzer passiert, ertönt ein positiv klingender Signalton, der wirklich punktgenau auslöst – beeindruckend! Aber wir gesagt – eine solche Funktion ist in Deutschland nicht erlaubt. Daher lässt sich diese Funktion problemlos deaktivieren. Aber bis jetzt ist das die best funktionierende Blitzwarnfunktion die ich je bei einer Dashcam gesehen habe.

Assistenzsysteme zur Spurhaltung und Abstandsmessung

Standardmäßig ist ein einfaches LDWS (Lane Depart Warning System) an Bord. Dies löst ab 80 Km/h aus und warnt, wenn man die Spur wechselt. Ebenfalls warnt ein Auffahrassistent wenn der Abstand zum Vordermann zu gering ist. Ich persönlich halte von solchen System gar nichts, da die Algorithmen viel zu unzuverlässig sind und nicht die Möglichkeit haben, den Fahrstil vom Fahrer aktiv zu korrigieren. Der Fahrer muss also trotzdem aufmerksam bleiben und zur Not einschreiten. Es ist daher mehr eine Spielerei und keine sinnvolle Alternative zu den Systemen von den Autoherstellern.

Auto beim Parken überwachen

parkeinstellungen

Ja das geht mit der Dashcam sehr gut! Man sollte sich unbedingt ein Bordnetzkabelsatz beschaffen. Das wird einfach an die Bordelektronik geknipst und sorgt dafür, dass die Autobatterie nicht leer gesaugt wird, sollte aber von einem versierten Fachmann vorgenommen werden. Doch der Aufwand lohnt sich! Denn dann bekommt man Zugriff auf die sehr umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten. Zusammen mit einer Heckkamera kann man so 2x 140° beobachten.

Insgesamt gibt es hierfür drei Aufnahmemodi:

  1. Ereignisaufnahmen: Die Dashcam nimmt nichts auf. Wird aber eine Kollision erkannt, die sich in der App unterschiedlich empfindlich einstellen lässt, so werden 10 Sekunden vor und nach dem Ereignis gespeichert. Also insgesamt 20 Sekunden, die sich im „evt_rec“ Ordner befinden.
  2. Bewegungserkennung: Die Dashcam nimmt nichts auf. Wird aber eine Bewegung erkannt, werden 10 Sekunden vor und nach dem Ereignis gesichert. Also insgesamt 20 Sekunden. Zu finden sind diese Aufnahmen im Ordner „motion_rec“.
  3. Zeitraffer mit Kollisionserkennung: Im Zeitraffer wird ein Bild (statt 30) pro Sekunde gespeichert, sodass mehr Videomaterial auf die Speicherkarte passt. In diesem Modus werden Kollisionen weiterhin erkannt. Gibt es also eine deutliche Berührung, wird ein vollwertiges, sechs Minuten langes Video gespeichert. Und zwar im Ordner „motion_timelapse_rec“. Alternativ zum Zeitraffer kann man auch auf Bewegungserkennung umschalten.

Achtung – ändert man den Modus auf von Zeitraffer auf Bewegungserkennung, so werden alte Zeitrafferaufnahmen gelöscht. Eine Kombination ist nicht möglich!

Wifi-Zugriff mit Smartphone

dashcamapp

Bild zeigt drei Screenshots: App-Menü, vordere Dashcam mit Ausrichtungslinien und Heckkamera

Man kann das Smartphone mit der Dashcam verbinden. Hierfür gibt es eine Android– und iOS-App. Das Vorgehen ist einfach: Wifi-Taste an der Dashcam drücken, ca. 10-20 Sekunden warten dann in den Wifi-Netzwerken die Thinkwaredashcam wählen und das Standardpasswort „123456789“ eingeben. Warten bis man verbunden ist und dann in die Dashcam-App wechseln. Alternativ bietet die Dashcam sogar eine WPS-Funktion an. Dafür die Wifi-Taste fünf Sekunden gedrückt halten. Dann die WPS-Funktion in der Thinkware-App wählen und beide Geräte verbinden sich nach ca. 20 Sekunden ohne Passworteingabe.

Mit der App kann man das Livebild der Dashcam betrachten, alte Aufnahmen auswerten bzw. runterladen oder Einstellungen vornehmen. Das praktische Livebild hilft beim Ausrichten der Linse. Markierungen unterstützen den Nutzer bei der perfekten Ausrichtung. Allerdings stoppt die reguläre Aufnahmen beim Livebild. Man sollte sich also nur im unbedenklichen Stand des Autos verbinden ansonsten entgehen einem wohlmöglich wichtige Aufnahmen!

Mehr Möglichkeiten mit dem Thinkware DASH CAM PC Viewer:

dashcamviewer

Wem das zu unbequem ist, kann auch zum Dashcam-Viewer für Windows und Mac greifen. Hier sieht man alle Fahrinformationen vollkommen synchron: Front-/Heckkamera, die Kartenposition und die Geschwindigkeit. So wird das Auswerten von Aufnahmen zum Kinderspiel. Natürlich muss hierfür aber jedes Mal die Speicherkarte entnommen und im heimischen Rechner eingeschoben werden.

Gute Bildqualität

Die Bildqualität geht dank Sony Sensor in Ordnung. Das Bild ist gleichmäßig belichtet und liefert sowohl tagsüber als auch nachts verwertbare Aufnahmen, die angenehm rausch- und artefaktfrei sind. Zu einer merklichen Klötzchenbildung, die der Komprimierung geschuldet sind, kommt es nicht. Allerdings ist das Bild insgesamt nicht auf dem Schärfeniveau wie bei einer Blackvue DR650S. Doch die Stärken spielt vor allen Dingen die Heckkamera aus. Denn die ist nämlich ebenfalls in FullHD und mit Sonysensor ausgestattet. Hier hat Blackvue noch das Nachsehen.

Was ist besser? Thinkware oder Blackvue?

Der Testbericht richtet sich ja eher an die versierten und ambitionierten Dashcambesitzer und jene, die bereits eine Blackvuedashcam besitzen oder beabsichtigen, eine zu kaufen. Und eine oft gestellte Frage möchte ich gleich hiermit klären: Welche Dashcam ist die bessere?! Also wenn es um die reine Bildqualität geht und die bessere App, dann kann ich Blackvue empfehlen. Blackvue bietet aber keine Tasten am Gerät an, was manchmal nachteilig sein kann. Gerade die anlassbezogenen Aufnahmen bietet in dem Umfang nur die Thinkware-Dashcam an! Zudem löst die Heckkamera bei Thinkware besser auf und befügt ebenfalls über ein Mikrofon. Kurzfristig führt also noch Blackvue. Aber langfristig wird wohl Thinkware die sinnvollere Investition sein, da die Hardware besser ist und lediglich die Firmware und die App nachgebessert werden müssen.

Video bei Nacht

Bitte bedenken Sie, dass YouTube die Videos nochmals stark komprimiert! Die tatsächlichen Aufnahmen sehen besser aus.

Video bei Tag

Bitte bedenken Sie, dass YouTube die Videos nochmals stark komprimiert! Die tatsächlichen Aufnahmen sehen besser aus.

Kaufempfehlung

Fazit Thinkware F770


Sehr gute Dashcam mit diversen Einstellungsmöglichkeiten, guter Bildqualität und üppigem Funktionsumfang. Sie eignet sich hervorragend um das Auto beim Parken zu überwachen.

Man erhält das Gerät aktuell für EUR 229,95 bei Amazon.



Nic

Autor: Nic

Ich fahre täglich Auto. In der Großstadt Berlin gibt es viel Verkehr. Oft wünschte ich mir in bestimmten Situation Beweismittel zu haben. Der Trend der Dashcams kommt mir da sehr gelegen. Meine Erfahrungen teile ich mit euch.