Dashcam mit Internet: Der Blackvue Cloud Dienst im Test

Was wie ein Albtraum für deutsche Datenschützer klingt, erweist sich als durchaus nützlich. Blackvue ermöglicht seinen Dashcams den Zugriff ins Internet. Alles was es dazu braucht ist eine kompatible Dashcam, ein Hotspot und ein Datentarif.

Letzteres bieten fast alle modernen Smartphones. Für den Dienst wurde extra die neue App „Blackvue C“ für iOS und Android entwickelt.

Grundsätzlich funktioniert der Dienst zur Zeit nur mit dem Spitzenmodell DR650GW. Nun gibt es genau zwei Kundengruppen, die in den Genuss kommen können: Die mit „alten“ Dashcams vor Einführung der Blackvue Cloud und die mit den neuen Dashcams. Diese sind einfach zu erkennen: neben der neuen Verpackung befindet sich auf der Dashcam ein QR-Code.  Wer eine neue Dashcam hat, kann den folgenden Absatz überspringen.

Bestandskunden: Wer seine Dashcam VOR April 2015 erworben hat, kommt leider nicht in den Genuss der Cloud. Alle anderen können einen Sicherheitscode von Blackvue beantragen. Dazu muss man ein Foto von der Seriennummer (auf der Verpackung) und die MAC-Gerätenummer von der Dashcam an cs@pittasoft.com schicken. Falls die SSID nicht verändert wurde, kann man auch diese übermitteln.

blackvue-mac-address

Neukunden: Die Einrichtung mit der neuen Revision ist sehr smart gelöst. Man benötigt keinen Sicherheitscode sondern man scannt den QR-Code auf der Dashcam mit der Blackvue C App. Daraufhin ist sie für den Dienst registriert und freigeschaltet.

Neue Dashcam für Cloudzugriff hinzufügen. So geht es!

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Wifi-Hotspot einrichten

Anschließend legt man ein Blackvue Cloud Nutzerkonto an. Dann hinterlegt man SSID und Passwort des Hotspots. Dies kann das eigene Smartphone sein. Bei iPhones kann man unter „Einstellungen“ einen „Persönlichen Hotspot“ einrichten. Alternativ empfiehlt es sich, einen mobilen Hotsport fürs Auto fest zu installieren, der zum Beispiel in den Zigarettenanschluss gesteckt wird. Ich benutze den LTE-Hotspot E8377 von Huawei/EE. Achtung: Die Blackvue-Dashcam benötigt in der Standardinstallation ebenfalls einen Zigrattenanzünderanschluss. Entweder man hat also zwei davon übrig oder man schließt die Dashcam via Powermagic-Pro an.

Ist die Frage und die Einrichtung des Hotspots geklärt, verbindet sich die Dashcam nun immer voll automatisch mit dem Gerät und der Internetzugriff steht. Sofern man Push-Nachrichten in der Cloud-App aktiviert hat, wird man auch von nun an stetig benachrichtigt. Ich habe die Dashcam bei einem Freund installiert, um den Zugriff aus der Ferne zu testen. Und sobald er losfährt, erhalte ich eine Nachricht dass die Dashcam verbunden ist. Es gibt diverse Push-Nachrichten. Zum Beispiel wenn ein Aufprall registriert wurde oder die Dashcam in den Parkmodus wechselt. Jede Nachricht ist aber auch abschaltbar.

blackvue_cloud_example1 blackvue_cloud_example2

Livebild übertragen

Nun zum interessanten Teil: Man kann das Livebild abrufen und mitverfolgen was auf der Straße vor sich geht. Und das klappt prima. Die Dashcam meldet per deutlicher Sprachausgabe „Liveübertragung hergestellt“ bzw. „Liveübertragung beendet“. Mit einer relativ geringen Latenz von maximal 5 Sekunden bekommt man ein halbwegs flüssiges Bild zu sehen. Die Framerate (also Bilder pro Sekunde) ist natürlich deutlich reduziert aber genügt um alles Wesentliche erkennen zu können.  Die folgende Animation zeigt eine Art Splitscreen aus Livebild und Standortübermittlung. Es werden alle notwendigen Informationen dargestellt. Das ganze funktioniert auch im querformatigen „side-by-side“-Format. Ich bin wirklich überrascht wie zuverlässig und präzise das klappt. Anzumerken gilt natürlich noch, dass ich einen LTE-Hotspot verwende, der extra fürs Auto ausgelegt ist. Dazu habe ich auch einen Vertrag mit LTE-Geschwindigkeit. Ich weiß nicht, ob man einen Unterschied merkt, wenn es nur normales 3G wäre, denn die Daten werden ja stark komprimiert übertragen. Da bin ich mal auf eure Erfahrungen gespannt!

blackvue_cloud_app_animation

Die Karte lässt sich auch komplett ausblenden sodass man ein vollformatiges Livebild sieht. Wer die DR650GW-2CH besitzt, kann auch ganz einfach auf die Heckkamera wechseln.

Der Ton wird ebenfalls gut hörbar übertragen. Theoretisch steht auch ein Rückkanal zur Verfügung um zum Fahrer zu sprechen. Dazu tippt man das Mikrofonsymbol, wartet kurz bis „speak now“ bzw. „sprechen Sie jetzt“ erscheint und spricht dann seine Nachricht. Dann wird das Mikrofon-Symbol erneut getippt und nach ca. 2-4 Sekunden kommt die Nachricht beim Fahrer an. Es ist ein bisschen mit dem Prinzip eines Walkietalkies zu vergleichen. Nur mit viel mehr Verzögerung. In der Praxis erweist sich das also als eher überflüssige Spielerei. Die Sprachqualität ist an sich gut verständlich und nicht abgehackt aber durch den Versatz eignet es sich nicht, um eine vernünpftige Unterhaltung zu führen.

Kostenloser Cloudzugriff mit Speicherbegrenzung

Gespeicherte Aufnahmen lassen sich ebenfalls aus der Ferne abrufen oder in die Cloud hochladen. Anzumerken gilt aber dass die Cloud im kostenlosen Dienst nur 10 GB zur Verfügung stellt und man nur 100 Downloads bzw. Wiedergaben abrufen kann im Monat. Man kann bis zu drei Dashcams registrieren und bis zu 10 Minuten am Tag das Livebild übertragen. Ob man damit zurecht kommt, muss jeder für seine Zwecke einschätzen. Aber sobald das Bezahlmodell von der Cloud steht, kann man das sicherlich großzügig aufstocken. Hinzu kommt ja noch der Umstand, dass der verwendete Datentarif genug Traffic beinhalten sollte. Wenn man das kostenlose Cloud-Limit ausschöpfen möchte, sollte man also mindesten 5 GB besitzen. Für gelegentlichen Zugriff genügen sicherlich auch 1-2 GB.

Was mich total nervt: Die App ist noch nicht multitaskingfähig. Sobald man mal kurz die App (versehentlich) verlässt und wieder zurückkehrt, muss man einige Zeit warten bis die Verbindung wieder aufgebaut ist. Das ist sicherlich sinnvoll, um nicht unnötigen Traffic zu verbrauchen aber der Verbindungsaufbau wird hoffentlich in Zukunft schneller geschehen.

Insgesamt wirkt die Bedienung schon erstaunlich ausgereift und es macht richtig Spaß ab und zu das Livebild vom Auto abzurufen.

 

Kaufempfehlung

Fazit Blackvue Over the Cloud


Der neue (kostenlose) Cloud-Dienst von Pittasoft funktioniert gut und zuverlässig. Sowohl das Bild als auch der Standort wird einwandfrei übertragen. Schade, dass alte Modelle nicht von dem Dienst profitieren können.

Man erhält das Gerät aktuell für EUR 339,99 bei Amazon.
Im Schnitt haben dort 109 Kunden 4.4 von 5 Sternen Sterne vergeben.



Nic

Autor: Nic

Ich fahre täglich Auto. In der Großstadt Berlin gibt es viel Verkehr. Oft wünschte ich mir in bestimmten Situation Beweismittel zu haben. Der Trend der Dashcams kommt mir da sehr gelegen. Meine Erfahrungen teile ich mit euch.